Profitabilität

Lohnt sich Ether-Mining?

Genauso gut könnte man fragen: Lohnt sich Währungsspekulation? Denn um nichts Anderes handelt es sich. Der Betreiber eines Mining-Rigs investiert Material und Energie (und Nerven;-) in der Hoffnung, dass der Ether-Kurs bis zur Auszahlung ein Niveau erreicht hat, welches ihm einen satten Gewinn beschert. Aufgrund der Volatilität der Krypto-Währungen ist eine solche Spekulation mit einem erheblichen Risiko verbunden. Andererseits locken natürlich entsprechend große Gewinnspannen. Insbesondere beim Ether-Mining spricht einiges dafür, dass der Kurs mittelfristig eher steigen als fallen wird:

 

  • Die Technologie ist noch recht neu. Eine Vielzahl neuer Anwendungen unter Verwendung von smart contracts sind in den kommenden Jahren zu erwarten. Da die Ausführungen solcher Verträge mit Ether bezahlt werden müssen, ist mit einem steigenden Bedarf an Ether zu rechnen.
  • Mit dem geplanten Umstieg des Ethereum-Netzwerks von "proof of work" zu "proof of stake" wird die Möglichkeit, neue Ether durch Mining zu erwirtschaften, wegfallen oder zumindest eingeschränkt. Die insgesamt verfügbare Ether-Menge müsste somit langsamer ansteigen. Dies bedeutet allerdings auch, dass es sich möglicherweise jetzt bereits nicht mehr lohnt, in neue Hardware zu investieren. (Siehe hierzu auch die entsprechende Warnung der Ethereum-Projektgruppe.)
  • Zurzeit existieren viele Krypto-Währungen. Evtl. werden sich langfristig nur einige wenige durchsetzen. Einige der verschwindenden Währungen würden dann auch in Ether getauscht werden.

(Aber wahrscheinlich kommt alles wieder ganz anders …)

Schürfen oder kaufen?

Falls Sie bereit sein sollten, das Risiko einzugehen, stellt die Frage: Ether schürfen oder einfach kaufen? Die Antwort hängt von mehreren Faktoren ab, vor allem vom gerade aktuellen Ether-Kurs. Ist dieser sehr niedrig, macht es wenig Sinn, teuren Strom in das Mining zu investieren. In einer solchen Situation wäre es profitabler, einfach Ether zu kaufen. Schließlich kann man jeden Euro nur einmal ausgeben. Aber wann genau ist es profitabler, Ether zu kaufen?

Nachfolgend habe ich mir überlegt, ab welchem Ether-Kurs ich mein Mining-Rig anwerfen und meinen kostbaren Atomstrom investieren sollte.
Die Wahrscheinlichkeit, mit der Hash-Rate des Rigs hRig einen Block zu gewinnen hängt von der gesamten Hash-Rate des Ethereum-Netzwerks hE, die von sämtlichen aktiven Minern erzeugt wird, ab:

   wB = hRig / hE

Die Hash-Rate des Ethereum-Netzwerks hE ist nicht konstant. Sie wird regelmäßig z. B. auf etherscan.io veröffentlicht.

Beispiel: Aktuell beträgt hE etwa 270 TH/s. Für ein Rig mit einer Hash-Rate von 90 MH/s liegt die Wahrscheinlichkeit, den nächsten Block zu gewinnen demnach bei 90 • 106 / 270 • 1012 ≈ 3,3 • 10-7. Dies Chance ist also frustrierend gering. Es ist aber zu bedenken, dass unser kleiner Miner etwa alle 15 Sekunden eine neue Chance erhält. Die Wahrscheinlichkeit irgendwann in im folgenden Zeitintervall Δt  einen Block zu gewinnen beträgt: w(Δt) = wB • Δt / ΔtBDabei ist Δtdie mittlere Dauer zum Erzeugen eines neuen Blocks. Aktuell liegt dieser Wert bei etwa 15 Sekunden. Hiermit kann man grob abschätzen, wie lange es im obigen Beispiel im Mittel dauert, einen Block zu gewinnen. Mit w(T) := 1 erhalten wir: T = h/ hr • ΔtB = 4,5 * 107 s. Dies sind etwa 1,4 Jahre.

Ob sich diese Mühe lohnt, hängt von mehreren Faktoren ab:

  • Im Falle von Solo-Mining vom Ether-Kurs zum Zeitpunkt des Verkaufs der gewonnenen Ether. Dieser Zeitpunkt kann u. U. sehr weit in der Zukunft liegen, da zunächst einmal mindestens ein Block gewonnen werden muss.
  • Im Falle des Pool-Minings vom aktuellen Ether-Kurs KE.
  • Von der Belohnung gB, die der Miner für jeden gewonnenen Block erhält. Dieser Wert setzt sich aus mehreren Komponenten zusammen:
    • Drei Ether für den Block selbst. (Dieser Wert kann sich zukünftig verringern!),
    • Gebühren für die Ausführung der im Block enthaltenen Transaktionen (das sog. "Gas"),
    • Weitere Belohnungen in Form sog. "uncle rewards" und "uncle inclusion incentives".
  • Von den zu investierenden Stromkosten (Preis je kWh und Leistungsaufnahme des Rigs).
  • Von der Abschreibung für die eingesetzte Hardware.

Nicht zu vernachlässigen sind auch die ggf. anfallenden Gebühren:

  • Ein typischer Mining-Pool (z. B. Dwarfpool) behält 1 % der geschürften Ether ein.
  • Beim Umtausch der erwirtschafteten Ether in eine sog. Fiat-Währung (Euro, Dollar, …) fallen weitere Gebühren an. Im Falle von Coinbase wird der Gewinn so z. B. noch einmal um mindestens 1 % geschmälert.

Vor allem der Ether-Kurs KE ändert sich im Laufe der Zeit stark, so dass jede Vorhersage des zu erwartenden Gewinns mit einer erheblichen Unsicherheit behaftet ist. (Solo-Mining mit einer geringen Hash-Rate ist daher sehr riskant.) Der Gewinn G(Δt) lässt sich vereinfachend wie folgt berechnen:

   G(Δt) = w(Δt) • gB • KE - kS(Δt) - kA(Δt)

Dabei sind kS(Δt) die Stromkosten und kA(Δt) die Abschreibungskosten, die im Zeitintervall Δt entstehen. Die oben genannten Gebühren des Mining-Pools und der "Wechselstube" sind hierbei nicht berücksichtigt. Die Kosten lassen sich wie folgt berechnen:

   kS(Δt) = PRig / 1.000 • KkWh • Δt / 1 h

   kA(Δt) = KRig • Δt / ΔtA

Mit:

   PRig: Elektrische Leistung des Rigs
   KkWh: Stromkosten je kWh
   KRigAnschaffungskosten für das Rig
   ΔtAAbschreibungsdauer (z. B. drei Jahre)

Das Schürfen lohnt sich offenbar immer dann, wenn die Belohnung, die über einen überschaubaren Zeitraum erwirtschaftet werden kann, die Kosten übersteigt. Da die Belohnung hauptsächlich vom Ether-Kurs abhängt, soll für diesen der entsprechende Schwellenwert berechnet werden. Die Bedingung hierfür lautet:

        G(Δt) = 0

    ⇒ KE0 = (kS(Δt) + kA(Δt)) / (w(Δt) • gB)

    ⇒ KE0 = (PRig / 1.000 • KkWh + KRig / (Δt/ 1 h) ) • hE • (Δt/ 1 h) /  (hRig • gB)

(Das Zeitintervall Δt kürzt sich also raus.)

Das Mining lohnt sich immer dann, wenn der aktuelle Ether-Kurs über diesem Schwellenwert liegt. Der Rechner auf dieser Seite berechnet diesen Schwellenwert näherungsweise.

Falls jemand einen Denkfehler entdecken sollte, kann er/sie mir gern eine E-Mail zusenden.